Im Digitaldruck reden wir viel über Präzision. ΔE-Toleranzen. Spektralphotometer. Kalibrierungskurven. ICC-Workflows.
Doch lange bevor es automatisiertes Farbmanagement und RIP-Software gab, trug eine Frau dazu bei, die wissenschaftlichen Grundlagen zu definieren, die all das erst möglich machten.
Dorothy Nickerson war eine wegweisende Farbwissenschaftlerin, deren Arbeit in den Bereichen Kolorimetrie, Farbabstand und industrielle Farbstandardisierung entscheidende Grundlagen dafür schuf, wie wir heute Farben messen und beeinflussen.
Farben in Daten verwandeln
In Zusammenarbeit mit dem US-Landwirtschaftsministerium trug Nickerson dazu bei, dass sich die Industrie von der subjektiven visuellen Einstufung hin zur objektiven, instrumentengestützten Farbmessung entwickelte.
In Bereichen wie der Baumwollklassifizierung wurde einst die Farbe und damit der Wert der Baumwolle allein durch menschliches Urteilsvermögen bestimmt. Nicholson setzte sich für messbare Systeme ein, wodurch Uneinheitlichkeiten reduziert, fairere Bedingungen geschaffen und die Qualitätskontrolle verbessert wurden.
Kommt Ihnen bekannt vor?
Genau dieser Wandel – weg von subjektiven Einschätzungen hin zu messbaren Verfahren – ist das Rückgrat moderner digitaler Druck-Workflows.
Wahrnehmung quantifizieren
Nickerson war an der Entwicklung früher Formeln zur Farbabweichung beteiligt, darunter die Nickerson-Hunter-Farbabweichungsgleichung – einer der ersten strukturierten Versuche, wahrgenommene Farbunterschiede mathematisch auszudrücken.
Wenn wir heute:
- ΔE messen
- Toleranzgrenzen als „bestanden/nicht bestanden“ einstufen
- die Farbintegrität einer Marke schützen
- über verschiedene Bedruckstoffe und Druckmaschinen hinweg standardisieren
dann bauen wir auf genau den Prinzipien auf, die sie mitbegründet hat.
Technische Vorreiterin in einer sich wandelnden Branche
Nickerson wurde das erste individuelle weibliche Mitglied des Inter-Society Colour Council und erwarb sich Respekt in Fachgremien und Normungsorganisationen – zu einer Zeit, in der nur wenige Frauen in diesen Gremien vertreten waren.
Ihr Einfluss war so groß, dass der ISCC später zu ihren Ehren den „Dorothy Nickerson Service Award“ ins Leben rief.
Ihre Arbeit beschäftigte sich nicht nur mit der Farbwissenschaft, sie hat sie geprägt.
Warum das gerade heute wichtig ist
Der Digitaldruck ist nach wie vor eine hochtechnische, spezialisierte Branche. Trotz kontinuierlicher Fortschritte sind viele technische Bereiche immer noch männerdominiert.
Dabei wurde das wissenschaftliche Fundament, auf dem unsere Arbeitsabläufe basieren, nicht von einer einzigen Sichtweise geschaffen.
Innovationen in der Farbwissenschaft waren schon immer auf vielfältiges Denken, gründliche Forschung und Menschen angewiesen, die bereit waren, etablierte Vorgehensweisen in Frage zu stellen.
An diesem Internationalen Frauentag feiern wir nicht nur die Frauen, die heute in der Druckbranche tätig sind, sondern auch die Frauen, die schon Kalibrierungen durchgeführt haben, lange bevor wir das getan haben … Die schon Standardisierungen vorgenommen haben, bevor wir damit begannen … Die Farben in eine messbare Wissenschaft verwandelt haben, damit der moderne Digitaldruck überhaupt entstehen konnte.
Verfasst von:
Zoe Woodford, stellvertretende Leiterin des Bereichs Digitaldruck, AVA CAD/CAM
